Schön und scheu – Wölfe im Schwarzwald
“Kann ich im Schwarzwald noch unbesorgt wandern?“ Als Gastgeberin im Hochschwarzwald höre ich diese Frage öfter – und sie berührt mich jedes Mal. Ich liebe die Natur hier zwischen Belchen und Feldberg über alles – die Ruhe der Wälder, die Weite der Landschaft und die vielen Tiere, die hier leben. Dass Menschen ausgerechnet hier Angst haben könnten, finde ich manchmal befremdlich. Vor allem, wenn es um einen Wolf geht.
Deshalb – das Wichtigste gleich vorneweg:
Ja, du kannst absolut sicher durch unsere geheimnisvollen und wildromantischen Wälder wandern. Der Wolf macht deinen Urlaub nicht gefährlicher als einen Spaziergang in der Stadt.

Zwischen Belchen und Feldberg: urige Landschaften, die seit Jahrhunderten Lebensraum für wild lebende Tiere sind. Die Wolfsschlucht bei Todtnau ist wild und romantisch. Eine kleine Wanderung, die sich immer lohnt.
Seit wann gibt es wieder Wölfe im Schwarzwald?
Unsere Region war in der Zeit unserer Vorfahren eindeutig ein Wolf‑ und Bärenland – und in gewisser Weise wird sie es vielleicht gerade wieder.
Namen wie Wolfach, die Wolfsschlucht bei Todtnau, das Wolftal oder die Bärenhöhle bei St. Blasien erinnern daran, dass Wolf und Bär hier früher selbstverständlich dazugehörten. Damals waren sie Teil des Lebens, alltäglich, sicher auch gefürchtet, aber respektiert.
Bären gibt es bei uns natürlich nicht, aber ich würde es einmal so sagen: Der Wolf kehrt in seine alte Heimat zurück. Seit 2018 gibt es immer wieder Sichtungen, vor allem von durchziehenden, einzelnen Wölfen. Für viele ist das ungewohnt, denn über Generationen waren sie aus Deutschland verschwunden. Während in anderen europäischen Ländern längst wieder Rudel leben oder nie ganz verschwunden waren, sorgt hierzulande jede Sichtung eines Wolfs für Schlagzeilen.
Auf gute Nachbarschaft mit dem Wolf
Dass der Wolf sich hier oben in unseren Bergen wohlfühlt, wundert mich nicht – uns gefällt es hier ja auch.
Wir schätzen die Ruhe, die Weite, die vielfältige Tierwelt. Er auch. Der Wolf ist nicht gut oder böse, er ist ein wild lebendes Tier, das gerne jagt. Das mag manchen ärgern, aber es ist sein Naturell. Für mich ist er keine Bedrohung, sondern eine Chance: Lernen wir, wieder Nachbarn zu sein – mit Wissen und Respekt, wie bei anderen Wildtieren auch.

Seit einigen Jahren kehrt der Wolf langsam in den Schwarzwald zurück. Er ist ein scheues Tier – Begegnungen mit Menschen sind extrem selten.
Was tun, wenn du im Schwarzwald einem Wolf begegnest?
Die Antwort auf die Frage lautet eigentlich, dass du nichts tun wirst – weil es schlicht nicht passiert. Die Chance, im Schwarzwald einem Wolf zu begegnen, ist winzig klein. Und selbst wenn, besteht für uns Menschen keine Gefahr. Seit der Wolf 2018 in den Schwarzwald zurückgekehrt ist, gab es keinen einzigen Angriff auf einen Menschen. Wer draußen in der Natur unterwegs ist, riskiert beim Wandern eher einen verstauchten Knöchel oder einen Sturz bei einer Mountainbike-Tour, als einem Wolf über den Weg zu laufen.
Einen Wolf zu sehen ist doch in Wahrheit ein Glücksmoment – eine leise Erinnerung daran, dass die Wildnis um uns herum da ist und wir Teil davon sind. Genieß es, so wie du gerne ein Reh beobachtest oder einen Hasen.
Tipps für richtiges Verhalten, wenn du einem Wolf begegnest
Hier habe ich ein paar Tipps für dich zusammengestellt, wie du in verschiedenen Situationen richtig reagierst und Ruhe bewahrst. In fast allen Fällen wird es damit enden, dass der Wolf einfach abhaut – versprochen.
| Situation | Empfohlen | Nicht empfohlen |
|---|---|---|
| Wolf beobachtet dich | Laut sprechen („Geh weg!“), aufrecht dastehen, Präsenz zeigen | Füttern oder Augenkontakt provozieren |
| Mit Hund | Hund sofort anleinen und nah bei dir halten | Hund frei laufen lassen |
| Mit Kindern | Kinder eng zu dir holen, ruhig bleiben | Kinder allein vorausgehen lassen |
| Drohverhalten (selten!) | Laut werden, Steine werfen, dich verteidigen | Panik zeigen, füttern |
Warum der Wolf im Schwarzwald oft für Schlagzeilen sorgt. Und wenn du mich fragst: Alles übertrieben.
Ein Wolf im Schwarzwald sorgt bei jeder Sichtung schnell für Schlagzeilen. Wer aktuell die Nachrichten liest, könnte manchmal glauben, der Schwarzwald werde von Wölfen regelrecht heimgesucht.
Die Medien lieben spannende Geschichten – und ein Wolf wie beispielsweise auf der Hornisgrinde passt perfekt ins Bild. Wochenlang war ein Tier dort Thema, weil es sich Menschen bis auf wenige Meter näherte.
Später stellte sich heraus, dass der Wolf für spektakuläre Fotos angelockt und sogar gefüttert worden war. Dadurch verlor er seine natürliche Scheu vor Menschen. Für das Tier hat das tragische Folgen: Ein Wolf, der seine Scheu verliert, wird als Problem angesehen. Für den Wolf an der Hornisgrinde bedeutet das, dass er getötet werden wird. Ganz ehrlich Leute – muss so etwas sein? Ist ein Foto das wert? Ich jedenfalls werde sauer, wenn ich so was lese.

Wölfe im Schwarzwald:
Fakten statt Mythen. Meine Tipps, wo du dich informieren kannst.
Angst entsteht oft, wenn man sich nicht auskennt. Über den Wolf kursieren viele Geschichten und Mythen. Anstatt aufzuklären wird die Stimmung gegen den Wolf angeheizt. Beispielsweise mit solchen Plakaten. Das ist Unsinn. Vermeintlich hilfreiche Warnschilder auf Weiden und in Wäldern tragen dazu bei, die Angst und die Vorbehalte zu schüren.
Wenn du dich näher informieren möchtest, findest du hier gute und seriöse Quellen:
Alternativer Wolf- und Bärenpark in Bad Rippoldsau-Schapbach (45 Min. von Muggenbrunn)
Ausflugstipp: Gerettete Tiere in naturnahen Gehegen: 9 Bären, 3 Luchse, 1 Wolf.
Perfekt für Familien – Mehr über die wild lebenden Tiere lernen statt Angst verbreiten.
Für Kinder (11–15): „Julie und die Wölfe“ von Jean Craighead George.
Lektüre für alle: NABU-Broschüre „Wölfe und wir“ (kostenlos), Download
Urlaub im Hochschwarzwald: Natur genießen – ohne Angst vor dem Wolf
Rund um Feldberg und Belchen oder ganz allgemein im Hochschwarzwald gibt es keine festen Wolfsrudel, sondern allenfalls durchziehende Tiere. Du kannst deinen Urlaub entspannt und sorglos genießen, auch mit deinem Hund. Vielleicht lockt euch eine Wanderung zum Sonnenaufgang auf den Belchen, wenn alles Berge und Himmel in goldenes Licht getaucht werden. Wenn du mit deinem Hund unterwegs bist, behalte ihn an der Leine, nicht wegen des Wolfs, sondern ganz allgemein wegen der vielen Wildtiere in der Region.

Die Wahrscheinlichkeit, einem Wolf zu begegnen, ist beim Wandern verschwindend gering. Genieße dein Wanderung, wie hier beim Sonnaufgang am Belchen. Auch mit deinem Hund.
Vor einiger Zeit hat übrigens hat eine Wolfsfamilie am Schluchsee, nur wenige Kilometer von hier versucht, sesshaft zu werden.
Leider haben sie ihren Aufenthalt dort nicht überlebt. Aus meiner Sicht eine diplomatische Formulierung, bei der die Hintergründe keine Rolle spielen. Wölfe sind hier noch auf dem Sprung – vielleicht auf der Suche nach ihrem Lebensraum – für uns Menschen bedeutet das nur: gelassen bleiben. Und für dich als Gast bedeutet es: deinen Urlaub im Hochschwarzwald einfach genießen.
Von unserer Ferienwohnung aus bist du perfekt platziert für deine ganz persönlichen Schwarzwald-Abenteuer – ob beim Wandern, Radfahren oder beim stillen Spaziergang durch unsere Wälder. Wenn du möchtest, gebe ich dir gerne Tipps für deine Ausflüge, die zu dir und deiner zweibeinigen oder vierbeinigen Begleitung passen.
Deine Gastgeber Claudia & Andi


Über die Autorin
Claudia Braunsberger ist gebürtige Schwarzwälderin, im Familienbetrieb eines Hotels groß geworden und seit über 25 Jahren als freie Journalistin tätig. Gemeinsam mit ihrem Mann führt sie das Ferienhaus Fidelis-Bühl und freut sich vor allem über die Gäste, die schon seit Jahren in einer der gemütlich eingerichteten Ferienwohnungen Urlaub machen.
Auf ihrem Blog teilt sie ihre Begeisterung für Natur, regionale Kultur und nachhaltigen Tourismus. Claudia kennt alle spannenden Termine rund um Muggenbrunn im Hochschwarzwald, Events, die man nicht verpassen darf, und verrät ihre besten Insider-Tipps für Schwarzwald-Feriengäste. Aktuell arbeitet sie auch für die Badische Zeitung, wo sie über Natur, Kultur und Schwarzwälder Brauchtum schreibt.
